#1 Winterhärte Washi vs. Phoenix von Olli 04.09.2016 12:39

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Hallo,

mich interessieren eure Erfahrungen und Kenntnisse bezüglich der Winterhärte von Washi und Phoenix.
Während einige die beiden gleichauf sehen, halte ich die Phoenix für leicht härter.
So findet man im z.B. Tessin und London ältere ungeschütze Phoenix Canariensis, während Washi dort meines Wissens nach fehlt. Wurde Washingtonia dort einfach nicht gepflanzt oder ist das bereits ein Hinweis auf eine höhere Frosttoleranz der Phoenix?
Was ist eure Meinung?

Grüße,

Olli

#2 RE: Winterhärte Washi vs. Phoenix von Felix 04.09.2016 13:17

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Moin Olli,

sehr interessantes Thema! Meine eigenen Experimente mit Kübelphoenix und Kübelwashis kommen zu dem Ergebnis, dass die Phoenix definitiv härter im nehmen ist als die Washi-filifera, die Washi-robusta hingegen erstaunlich nah an die Phoenix rankommt.
Meine Kübelphoenix toleriert problemlos Nachtfröste bis -5 Grad (egal ob im Frühwinter oder im Spätwinter), hingegen keinen Dauerfrost (Speerverlust bei intakten Außenwedeln), dafür unendliches, kaltes Schmuddelwetter. Selbst stetig anfrierender und wieder abtauender Schnee macht den Fiedern nichts aus, sofern kein Dauerfrost herrscht.

Washi-filifera hat es mir einst nach einer einzigen Frostnacht im November mit -3 Grad vollkommen aus der Kurve getragen. Sofort kam es zu Blattschäden und einem folgenden, zähen Exitus.

Washi-robusta-Drillinge hatte ich (bis auf eine einzige Woche mit Dauerfrost im Januar) den kompletten vergangenen Winter über ungeschützt draußen stehen. Bis auf jene Woche gab es atypischerweise keinen Dauerfrost hier unten. Die Robusta-Drillinge hatten keinen Kratzer und wuchsen im Frühling munter drauf los. Sie hatten bis knapp -4 Grad weggesteckt und etliche Male leichte Nachtfröste bis -2 Grad.

Was England betrifft, bin ich bei meinen Recherchen im Netz durchaus auf Washis z.B. im Großraum London gestoßen, sowohl Robustas als auch - interessanterweise - Filiferas. Habe sogar via Google-Streetview einige der Exemplare gestalkt. Scheint also viele Jahre zu klappen mit den Washis dort, ist wohl nur unpopulärer als Phoenixpflanzungen.
Im Tessin habe ich schon Washi-robustas gesehen, am Gardasee auch. Im absoluten Grenzfall Süd-Südtirol noch keine einzige Washi, dafür mittlerweile schon zwei Phoenix.

Insofern würde ich sagen: Am härtesten Phoenix, knapp dahinter Washi-robusta, Weichei: Washi-filifera.

Grüße,
Felix

#3 RE: Winterhärte Washi vs. Phoenix von Stephan_Trier 04.09.2016 16:02

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Ja, ich bin ja - mit Washi- aber ohne Phoenix-Erfahrung - trotzdem eher Anhänger der „Gleichhart-Theorie“.

Im Prinzip deckt sich meine Meinung wohl weitgehend mit der von Felix. Und zumindest meine Washi-Erfahrungen bestätigen das.

Generell muss man das Ganze wohl differenziert sehen und „Frosthärte“ ist dabei nicht das einzige, vielleicht nicht einmal das wichtigste Kriterium. Klar ist, dass hierzuland alle drei (drei, weil man wohl Washingtonia Robusta und Filifera ganz klar getrennt betrachten muss) Aktiv-Vollschutz-Kandidaten sind. In dem Moment ist es mir dann völlig gleichgültig, ob die UT bei -1 oder -3 Grad anspringt. Entscheidend ist, wie gut die Palme mit den Bedingungen im Schutz zurechtkommt. Und da fällt, obwohl ihr ja eine minimal höhere Frost-Toleranz nachgesagt wird, als erstes die Filifera raus. Auch wenn sie tatsächlich minimal frosthärter sein sollte geht ja ohne Heizung auch hier nix. Und mit im Schutz nun mal häufiger auftretenden Sachen wie Kondeswasser oder Schmuddelwetter bei offenem Schutz kommt sie überhaupt nicht zurecht. Ich hatte in jedem Winter Schimmel-Probleme und im letzten Jahr hat dann ein nach dem Auspacken Anfang März (!) nicht in die Gänge kommendes Frühjahr mit viel nasskaltem Dreckwetter gereicht, um sie innerhalb kürzester Zeit zu killen, obwohl die Temperaturen nie mehr dramatisch (> 1-1,5 Grad) unter Null gegangen sind. Ich weiß nicht, ob sich noch jemand an das Bild des Jammers erinnert.

Hier nach dem Auspacken am 5. März...



...und hier genau 3 (!!!) Wochen später, am 27.! Gut, die Robusta im Hintergrund bekam, im Gegensatz zu der Filifera, zu der Zeit tagsüber schon Sonne. Aber davon gab es damals mehr als spärlich. Und trotzdem haben sie die Wetterbedingungen nicht im Geringsten gekratzt.



Und hier dann das Ende vom Lied.





Nicht wirklich schön. Und gerochen hat es noch hässlicher! „Weichei Filifera“ würde ich also sofort unterschreiben und jedem von dieser Art abraten. Ich denke nicht, dass der (falls tatsächlich vorhandene) Unterschied in der Frosthärte in irgendeiner Region Deutschlands relevant ist. Es ist aber schon ein Unterschied, ob es mit Heizen im Schutz getan ist, oder, ob man noch mit aufwändigen Luftumwälzungs-Techniken experimentieren muss und den Schutz am Ende bis weit in den April mehr wegen der Nässe als wegen der Kälte stehen lassen muss.

Mit der Robusta habe ich hingegen, so wie ich sie schütze, bisher keinerlei Probleme und sie entwickelt sich, trotz schwächlicherer Ausgangspflanze, prächtig. Ich halte sie allerdings im Schutz weitgehend frostfrei und, wenn die Temperaturen unter -3 zu gehen drohen, ist der Schutz zu!

Um fundiert mit Phoenix vergleichen zu können, müsste ich halt zunächst einmal eine ausgepflanzte Phoenix haben. Dazu wird es aber (zumindest aus heutiger Sicht) nicht mehr kommen, womit die Frage für mich wohl final ungeklärt bleiben wird.

Was Washi in Süd-England angeht, gibt es aber doch wohl zumindest ein sogar einigermaßen „prominentes“ Beispiel:

#4 RE: Winterhärte Washi vs. Phoenix von Olli 04.09.2016 17:08

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Hallo Felix,

danke.
Wie Stephan bereits schrieb sind direkte Vergleiche besonders aufschlussreich. Insofern sind deine Beobachtungen besonders interessant und aussagekräftig. Das mit den Washis in London ist auch ein wichtiger Hinweis. Ich hatte bislang nur von Phoenix gehört.

Hi Stephan,

danke ebenfalls. Tolle Washi. - Und auch noch selbst gezogen und nicht mal eben in der Größe mit dem Kran in den Garten gehievt. Da ist die Anerkennung entsprechend größer.
Interessant wäre halt, wer letztlich in höheren oder nördlicheren Regionen vorkommt, Washi oder Phoenix?
Ich mag an der Phoenix, dass sie jedes Mistwetter mitmacht, auch im Winterschutz nicht pilzanfällig ist und Dunkelheit gut verträgt.
Vom Frost abgesehen eine sehr unkomplizierte und genügsame Palme.

Allerdings ist es bei mir genau umgekehrt wie bei Stephan: Ausgepflanzte Phoenix ober keine Freilanderfahrung mit Washi. Und aktuell kommen mir hier keine weiteren Schutzkandidaten in die Erde.

Grüße,

Olli

#5 RE: Winterhärte Washi vs. Phoenix von Jubi 04.09.2016 20:30

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Hi @Stephan_Trier

Coole Bilder, Washi im Blizzards. Der Anfang war bei mir auch so, bin im Urlaub gefahren, kam mit Washi Samen zurück und habe nun ca 10 Washi Babys die ein Jahr alt sind auf meiner Terrasse stehen. Mal schauen wie es weiter geht.
Gruß Jubi

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