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#1 Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Vinc 12.02.2016 15:15

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Hallo zusammen

Vor ein paar Tagen war ich wiedermal im Tessin unterwegs und habe dabei einige Fotos verwilderter exotischen Pflanzen gemacht, welche ich euch nicht vorenthalten möchte.
Sehr häufig anzutreffen ist Trachycarpus fortunei, Laurus nobilis, Prunus laurocerasus und Elaeagnus pungens. Sporadisch ist Ligustrum lucidum, Acuba japonica, Cinnamomum glanduliferum, Viburnum tinus, Quercus ilex und Eriobotrya japonica anzutreffen. An trockenen, sonnigen Felswänden findet man häufig Acacia dealbata, Opuntia sp. und Agave americana. Direkt am See zwischen Ascona und Brissago konnte ich auch Callistemon rigidus und Oleander ausgewildert vorfinden.

Leider regnete es am ersten Tag in Strömen, was sich negativ auf die Fotoqualität ausgewirkt hat.

Im Verlauf vom Abend werde ich noch Fotos verschiedener kultivierter Palmen in der Region zeigen.

1. Teil: Bachtobel am Monte San Salvatore. Hier dominieren die Hanfpalmen. Beigemischt ist der Echte Lorbeer (Laurus nobilis) und die Akube (Acuba japonica).
















2. Teil: Am Fusse des Monte Brè



Mix aus Immmergrünen, wahrscheinlich vor allem Laurus nobilis und ev. Quercus ilex und Viburnum tinus.


Agave americana


Sieht mir fast nach Opuntia ficus-indica aus:


Agave americana 'Variegata'


Agave americana


Einheimischer Immergrüner: Ruscus aculeatus (Mäusedorn)


Viburnum tinus, Mittelmeerschneeball (Leider etwas unscharf geraten)


Blüte von Viburnum tinus


Quercus ilex (Steineiche)


Dichter laurophyller Bestand (Laurisilva insubrica) aus Laurus nobilis, Elaeagnus pungens, Viburnum tinus, Trachycarpus fortunei, Quercus ilex, Ligistrum lucidum und einheimischen Immergrünen wie Ruscus aculeatus.


Verjüngung Quercus ilex


3. Teil: Ponte Brolla















Und zuguter Letzt Callistemon rigidus bei Porto Ronco:


Liebe Grüsse,
Vincent

#2 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von greenthumb 12.02.2016 15:41

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Tolle Bilder Vicnent.
Vielen Dank dafür...bei manchen glaubt man nicht wirklich an die Schweiz...schön...aber mal sehen, wie das so weitergeht in den nächsten 10 - 20 Jahren...

Viele Grüße

Andreas

#3 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Nrico 12.02.2016 16:47

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Hey Vincent,

danke für die Bilder. :) Wenn ich mir so manches Foto anschaue, dann kann ich mir allerdings auch gut vorstellen, dass nicht alle Tessiner mit der fast invasiven Ausbreitung der Trachy dort glücklich sind ... Mich stört's aber nicht ... ;)

LG
Enrico

#4 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Lilientaler 12.02.2016 17:45

Also ich find die Palmen stören nicht. Würd mich eher freuen die hier im Wald zu sehen. Es gibt auch hier invasive Pflanzen, die hier nicht hingehören sowie auch Tiere. Eine Trachy ist ja nicht " giftig / unverträglich " , da find ich Ambrosia viel schlimmer.
VG Silke

#5 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Marc Werner 14.02.2016 23:49

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Klasse Bilder!

Wobei die Hanfpalmen in diesem Asia und Gewächshauslook mir nicht so zusagen! Aber immer noch besser, als die grau/braunen Gebüsche hier bei uns im Winter!

#6 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Claus Abraham 15.02.2016 01:38

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Hallo Vincent,

also mir gefallen die Trachywälder sehr gut und ich wünschte, hier würde es in den Wäldern auch mal so aussehen.

Was mir auffällt ist, dass auf den Bildern nur jugendliche Trachys zu sehen sind. Wo stehen die älteren blühfähigen Trachys die für diese massenhafte Ausbreitung verantwortlich sind?
Seit wann wachsen dort die ausgewilderten Trachys und woher stammen die ursprünglich? Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass die sich durch in Gärten kultivierte Trachys dort ausgebreitet haben sollen. Nur, wie kommen die dann da hin, z.B. an die Stelle die du fotografiert hast? Ausbreitung durch Vögel? In den Mengen und mit dieser Ausbreitung über eine nicht gerade kleine Fläche? Das sieht mir dann eher so aus, als habe da ursprünglich auch jemand Guerilla-Gardening betrieben.

Grüße
Claus

#7 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Marc Werner 15.02.2016 01:53

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Hallo Claus,

im Thread von mir ''Sind Hanfpalmen eine Bedrohung'' habe ich ja einen Artikel gepostet.
Es wird dort auch unterstellt, dass viele Leute ihren Kompost in den Wäldern verteilen und dann eben auch abgeschnittene Samenstränge dabei wären!

Mir sieht es aber auch eher danach aus, dass da jemand einfach Samen an bestimmten Flecken verteilt hat. Bis auf wenige Bilder, sehe ich auch nur mini Trachys, die kaum Stamm haben, aber durch den Schatten eben mega lange Wedel!

Interessant finde ich auch, dass dort nicht eingegriffen wird! Bei uns würden die Palmen schnell von Schützern vernichtet werden in den heimischen Wäldern!

#8 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Claus Abraham 15.02.2016 03:03

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Hallo Marc,

ja, das mag schon sein, aber wenn da einfach ein paar Leute ihren Kompost abgeladen hätten, dann stünden da jetzt tausend Trachys auf einem Quadratmeter und nicht über hunderte Meter verteilt Trachys. Ich finde das sieht in etwa so aus, als habe da jemand reichlich Samen durch die Gegend geschmissen. Kein Problem, ich persönlich finds gut.

Na ja, in dem Bericht steht ja auch, dass die Trachys sich als Immergrüne prima durchsetzen würden, weil ja unter ihnen nichts mehr wächst. Bei uns dagegen heißt es, sie würden sich nicht durchsetzen, weil sie sich gegen die wilden Unkräuter etc. nicht durchsetzen könnten. Bin gespannt was stimmt? Ich denke, wir werden das auch hier in der Umgebung bald beobachten können...

Ja, ein bisschen komisch finde ich die ganze Debatte im Tessin auch. Wenn die wirklich wollten, dann könnte man diese jungen Trachys problemlos entfernen - was hier bei uns garantiert auch sofort geschehen würde, da bin ich mir sicher. Wenn ich Verschwörungstheoretiker wäre, was ich aber nicht bin , würde ich jetzt glatt mal in den Raum werfen, ob diese ganze Diskussion im Tessin nicht vielleicht ein PR-Gag der Tourismusbranche ist um das Geschäft ein wenig anzukurbeln. Immerhin zieht mediteranes Flair sicher so manchen Urlauber an und vor allen das durch Palmen geprägte Bild im Tessin vermittelt ja auch den Eindruck, dass es dort zu jeder Jahreszeit wunderbar mild sein müsse. Tatsächlich sind die durchschnittlichen Januartemperaturen aber sogar niedriger als die Temperaturdurchschnittswerte des kalten Düsseldorfer Flughafens und gewiss viel niedriger als das Düsseldorfer Stadtklima. Da kann man schon auf merkwürdige Ideen kommen... Aber natürlich weiß ich auch, dass die Durchschnittstemperaturen für Trachys eine eher nebensächliche Rolle spielen und das die möglichen Tiefstwerte in Düsseldorf in Ausnahmewintern viel tiefer fallen können...

Grüße
Claus

#9 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Marc Werner 15.02.2016 03:14

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Hallo Claus,

Du sprichst einen interessanten Gedanken an!

Wer profitiert von dieser Diskussion in Tessin, ist eindeutig die Stadt und vor allem die Tourismusbranche!

Würde es sie wirklich stören, dann könnte man das Thema ''Trachy im Wald'' ganz schnell beenden und dafür sorgen, dass keine keimlinge größer/höher als 5 cm werden! Machen sie aber nicht, außer vieleicht vereinzelte Schützer oder Palmenklauer!

Aber wie gesagt, bei uns wäre (vor allem in den Wäldern) ''leider'' ganz schnell Feierabend für die Trachys, denn die ganzen Naturschutz-Vereine würden sie sofort vernichten!

#10 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von RePu_Wolfgangsee 15.02.2016 08:20

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Hallo Claus,

also 20 Tage Dauerfrost am Stück wie in DD gibt es im Tessin sicher nicht.
Und man merkt, dass du nicht oft dort in den Wäldern warst denn dort stehen 1000ende blühfähige Trachys.

An den Niederschlägen liegt es genau so wenig, denn im Meraner Umland breiten sie sich trotz 600mm Jahresniederschlag aus.(auch wenn sie dort schattigere Plätze bevorzugen)
Dort trocknet der Boden auch viel stärker aus bei 2300 Sonnenstunden, DD hat gerade mal 1400.
Schön auch am Tapeinerweg zu beobachten.

Düsseldorf hat keinerlei schützendes Gebirgsrelief, und sobald die Zufuhr milder Westluft durch ein Hoch gekappt ist, reicht die Tageserwärmung am 51. Breitengrad bei weitem nicht aus, und da hilft auch kein allzu mildes Januarmittel.
Die Sonne spielt auch eine wichtige Rolle, denn durch die Sonne herrscht real eine ganz andere Temperatur als die im Schatten gemessene.(und die Winter sind dort unten viel sonniger)
Sogar die Leverkusener Trachys hatten schon Ausfälle, und der Rest sah nach den kalten Wintern bescheiden aus......



In Meran (sogar in der ach so kalten Wetterstation Meran Gratsch) mit dem ach so kalten Januarmittel gabs selbst 85 nur 5! Frosttage am Stück. (Tageserwärmung auf bis -2)

Der Tessin ist nochmal wesentlich, milder da finde ich den Vergleich schon etwas lächerlich, dort stehen an jeder Ecke 50-100 jährige Trachys, In DD konntet ihr mir bislang kein min. 30 jähriges Exemplar zeigen welches freistehend und nicht vor einer innerstädtischen Gebäudehülle gewachsen ist.

Alles in Allem gibt es einen Grund warum eben bereits zu Kaiserszeiten in Meran oder dem Tessin Exoten gepflanzt werden konnten, und in Düsseldorf und Umland eben nicht.

Noch dazu sind wir gerade am Höhepunkt der Sonnenaktivität, diese nimmt in den nächsten Jahren wieder stark ab. Ob es dann noch einen 4. Mildwinter und 5. usw. Mildwinter geben wird weiß ich nicht, die Wahrscheinlichkeit sinkt allerdings.

#11 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Claus Abraham 15.02.2016 09:41

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Moin René,

na ja, du hast Recht, ich war schon ewig nicht mehr da in der Gegend - kann mich kaum noch daran erinnern. Mir fiel halt auf den Bildern nur auf, dass das da alles junge Trachys sind, die da zu sehen sind.
Aber auch Du kennst das Düsseldorfer Klima scheinbar nicht so gut, denn 20 Tage Dauerfrost gibt es vielleicht so gerade eben am Flughafen in einem Jahrhundertwinter, aber nicht in der Umgebung. Spielt aber auch keine Rolle, mir ist schon klar, dass das Klima im Tessin mit dem Düsseldorfer Klima nicht vergleichbar ist. Ich denke halt nur, es ist aber auch nicht so schlecht, wie es hier dargestellt wird - was sicher aber auch damit zu tun hat, dass stets die Werte des Flughafen herangezogen werden und wenn man mal sieht, dass die dortigen Temperaturen wie im Beispiel 2009 auch gerne mal 8°C tiefer liegen als in der Umgebung, dann kann man sich vielleicht doch vorstellen, dass diese Werte auch sonst nicht gerade das tatsächliche Klima wiederspiegeln.

Was den Niederschlag angeht, so sind es im Tessin wohl eher 1400-1600mm Niederschlag, also etwa doppelt soviel wie hier. Die Sonnenstunden spielen meines Erachtens für Trachys eine untergeordnete Rolle.

Natürlich ist das Klima im Tessin nicht mit unserem hier vergleichbar - da stimme ich dir absolut zu und deshalb gibt es dort auch schon seit hundert Jahren -kultivierte- Trachys.
Aber warum wehrt ihr euch hier so sehr dagegen, dass eine ähnliche Entwicklung auch hier möglich werden könnte? Im Tessin hat die Verwilderung der Trachys scheinbar etwa in den 70er Jahre begonnen, wir stehen hier vielleicht gerade erst ganz am Anfang einer solchen Entwicklung... Natürlich gibts hier noch keine hundertjährigen Trachys... und dennoch glaube ich daran, dass hier zumindest das Überleben der Art und deren Ausbreitung möglich wäre, wenn es nicht von Menschenhand verhindert würde. Sicher gibt es hier regelmäßig Ausfälle, aber vielleicht wirds ja in den nächsten Jahrzehnten noch ein bisschen milder und dann klappt das auch umso besser und der Samendruck steigt dann auch automatisch weiter.... Ich bin und bleibe da ganz optimistisch.

Grüße
Claus

PS: Hauswand hin, Hauswand her (diese Hauswand bietet sicher keinen großartigen Schutz, denn ansonsten steht sie in alle Richtungen völlig frei) , diese Trachy hat schon einige Jahrhundertwinter da überstanden, sieht zwar nach einem kalten Winter nicht unbedingt toll aus, hat aber immer überlebt. Das zeigt auf jeden Fall, dass wir uns an der Grenze bewegen und das Trachys hier überleben können.

#12 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von RePu_Wolfgangsee 15.02.2016 09:51

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Hallo Claus,

ich wünsche uns allen eine solche Klimaentwicklung, allerdings kann ich in der Kürze der Zeit die einen Menschen verbleibt, einfach nicht dran glauben.

Mit den Niederschlägen habe ich die Meraner Gegend gemeint welche im Vergleich zum Tessin recht niedrige Werte hat, und wo sich Trachy trotzdem ausbreiten.

Wollte Euer Klima nicht schlecht reden, ist immerhin eines der mildesten in Deutschland, allerdings hab ich da einfach einen anderen Standpunkt.

Somit beende ich das Thema und wünsche Euch viel Erfolg bei der Auswilderung!

#13 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von René 16.02.2016 21:34

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Hallo Vinc

Echt toille Bilder ,aber am meisten haben mich die Agaven verblüfft die da zwischen den laubabwerfenden Eichen standen ,echt der Hammer

#14 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von J.D. aus NRW 16.02.2016 22:06

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Zitat von René im Beitrag #13
Hallo Vinc

Echt toille Bilder ,aber am meisten haben mich die Agaven verblüfft die da zwischen den laubabwerfenden Eichen standen ,echt der Hammer


Moin

Dem kann ich mich nur anschließen, bei den Agaven hatte ich auch "das Maul offen stehen", hätte nicht gedacht das die die Temperaturen mit Schnee dauerhaft packen. Vlt. ist das bei uns im Westen nördlich der Alpen auch eher der Dazerfeuchte geschuldet.

#15 RE: Fotos der Ausbreitung von Trachycarpus fortunei und anderen Immergrünen im Tessin (Laurophyllisierung) + Opuntien und Agaven von Vinc 16.02.2016 23:04

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Zitat von Claus Abraham im Beitrag #6


Was mir auffällt ist, dass auf den Bildern nur jugendliche Trachys zu sehen sind. Wo stehen die älteren blühfähigen Trachys die für diese massenhafte Ausbreitung verantwortlich sind?
Seit wann wachsen dort die ausgewilderten Trachys und woher stammen die ursprünglich? Ich meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass die sich durch in Gärten kultivierte Trachys dort ausgebreitet haben sollen. Nur, wie kommen die dann da hin, z.B. an die Stelle die du fotografiert hast? Ausbreitung durch Vögel? In den Mengen und mit dieser Ausbreitung über eine nicht gerade kleine Fläche? Das sieht mir dann eher so aus, als habe da ursprünglich auch jemand Guerilla-Gardening betrieben.



Die Eltern von den auf den Fotos gezeigten Trachys stehen hauptsächlich in Gärten und Parks! In den oben gezeigten Trachy-Beständen konnte ich tatsächlich kein einziges ausgewildertes Exemplar vorfinden, welches reife Fruchtstände trug.
Es gibt einige wenige, grossflächige Standorte mit vielen ausgewilderten, fertilen Trachys (z.b. bei Solduno), aber da scheint es, als wären über 90 % männlich und die 10% weiblichen trugen keine Früchte! Ich kann mir nicht erklären, was die Ursache dafür ist. Eine mögliche Erklärung wäre, dass die im Schatten wachsenden Palmen Schwierigkeiten mit der Bestäubung haben (Pollinator-Art ist nur an sonnigen Standorten aktiv), oder dass es zu Windstill ist. Beides überzeugt mich aber nicht so richtig...
Die Annahme, in allen Tessiner Waldstücken unterhalb 600 m ü. M in der Nähe von Siedlungen wachsen dichte Trachy-Beständen mit tausenden fertilen Exemplaren trifft übrigens überhaupt nicht zu, könnte ev. aber durch Fotos und die Medien fälschlicherweise vermittelt werden. Vielmehr ist es so, dass - aus welchen Gründen auch immer - die Vorkommen von Trachycarpus und Laurophyllen sehr unregelmässig um Siedlungen verteilt sind und man schon sehr gut nach grösseren Beständen suchen muss. Ich kenne nur einen einzigen Standort, wo mehr als 100 fertile Exemplare auf engerem Raum verwildert vorkommen (in 10 Jahren sieht dies natürlich ganz anderst aus) und ich kenne die Tessiner Wälder mittlerweile sehr gut, da ich vor 2 Jahren meine Masterabreit über die Laurophyllen im Tessin geschrieben habe (mein Betreuer war übrigens derselbe, welcher auch G.-R. Walther (im Video zu sehen) bei seiner MA und Diss. betreut hat).
Die Hauptsamenquelle sind deshalb immer noch kultivierte Exemplare und die Samen werden, wie bereits erläutert, durch Vögel und Gartenabfälle verbreitet. Natürlich ist es auch vorstellbar, dass im Tessin einige Marc Werners aktiv waren und Guerilla-Gardening betrieben haben. :)
Gerne wird die Ausbreitung der Palmen im Tessin benutzt, um auf Problem-Neophyten (Invasive Neophyten, wie Ambrosia, Riesenbärenklau oder Impatiens glanduliferum) aufmerksam zu machen, da Palmen auch von Laien als FREMDES Element wahrgenommen werden. Tatsächlich halten sich die negativen Auswirkungen der Laurophyllisierung bisher in Grenzen und Experten sind sich uneinig über deren Auswirkungen.

@Marc Werner, du unterschätzts den Aufwand einer potentiellen Beseitung von Trachys gewaltig! Dies wäre mit horrenden Kosten verbunden, vor allem auch deshalb, weil viele Standorte kaum zugänglich sind, da sehr steil und felsig!

Zitat von Claus Abraham im Beitrag #11


Natürlich ist das Klima im Tessin nicht mit unserem hier vergleichbar - da stimme ich dir absolut zu und deshalb gibt es dort auch schon seit hundert Jahren -kultivierte- Trachys.
Aber warum wehrt ihr euch hier so sehr dagegen, dass eine ähnliche Entwicklung auch hier möglich werden könnte?



Diese Frage hast du dir eigentlich schon selbst beantwortet:
[...]Das zeigt auf jeden Fall, dass wir uns an der Grenze bewegen und das Trachys hier überleben können [...]

Wenn Trachys kultiviert in Gärten schon grenzwertig sind, sind sie ausgewildert im Wald chancenlos (erschwerte Bedingungen wie Konkurrenz durch einhemische Arten, kein Mikroklima, Wildfrass usw.)!

Liebe Grüsse,
Vincent

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