#1 Versuchsgebiet im Wald? von contendere 19.01.2020 10:12

Hallo zusammen,

Ich besitze ein für mich relativ gut und kurzfristig erreichbares Waldgebiet. Die Fläche liegt knapp unter einem Hektar, die Grenzen verlaufen an zwei den Wald einsäumenden Wildbächen die am südlichsten Punkt zusammenfließen. Dementsprechend ist fast die ganze Fläche relativ steil, aber noch gut Fuß zu begehen. Außerdem gibt es einige sehr große Findlinge, die sich gut als Windschutz und Wärmespeicher eignen.

Der Vorbesitzer hat, wie hier üblich, einige Fichten gepflanzt die meiner Meinung nach auf dieser Höhenlage nichts zu suchen haben, und darüber hinaus nun erntereif sind und die ich gerne ausholzen würde. Ansonsten besteht der Wald hauptsächlich aus zum Teil schon relativ stattlichen Buchen und einigen Tannen.

Im Frühjahr werde ich zum Versuch einige Trachycarpus-Sämlinge und eine größere Pflanzen auspflanzen. Meine Frage ist, was man noch für Pflanzen versuchen könnte? Ich habe z.B. an Indianerbananen oder Magnolien gedacht.

Mir ist es wichtig, dass ich das bestehende Ökosystem nicht belaste, weswegen ich auch keine Kakteen o.Ä. anpflanzen möchte.

#2 RE: Versuchsgebiet im Wald? von dintel 19.01.2020 10:39

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Hallo,
ist ne tolle Idee, ich würde vor allem schauen das alles neugepflanzte gut vor Wildtieren geschützt ist. Ob Rehe, Wildschweine oder Bieber alle würden sich denke ich sehr freuen. Für Indianerbananen sollte es nicht zu trocken sein, also eher am Bach.
LG Reiner

#3 RE: Versuchsgebiet im Wald? von MarcTHR 19.01.2020 12:22

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Die Fichten zu ersetzen ist sicher ein guter Startpunkt. Vermutlich werden aber die Buchen als erfolgreichste Baumart an mesophilen Standorten aufgrund ihrer Schattentoleranz als Jungbaum immer Dominanz behalten. Mit genug Licht könnte ich mir vorstellen, jene Laubbaumarten - neben den heimischen - zu fördern die vielleicht auch vor den Eiszeiten in Europa belegt sind. Als Waldbäume bieten sich da einige nordamerikanische Ahorne/Eichen/Magnolien oder auch der Liriodendron an. Warum sollten Kakteen den Standort mehr ökologisch "belasten" als z.B. Trachycarpus? Dies kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich denke eine ökologische Belastung ergibt sich dann, wenn Flora und Fauna durch anthropogene Eingriffe einseitig verarmen - ob kurz- oder langfristig.

#4 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Aramis 19.01.2020 13:01

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Da musst du aber wahrscheinlich aufpassen, dass man das nicht zu offensichtlich sieht...
Nur weil einem Wald gehört darf man da nicht einfach pflanzen was man will...
Ansonsten würde ich in einem Wald eher richtige Bäume pflanzen, sonst ist es doch zu dunkel und zu kalt...
Wie wäre es mit Sequoiadendron, sequoia, metasequoia? Atlaszeder, ginkgo, edelkastanie, langlebige kiefer, arve, sumpfzypresse...

Die genannten wirken halt auch, ich kan mir eine Indianerbanane oder eine Trachys schlecht in einem Wald vorstellen, da müsstest du ja immer künstlich eingreifen damit sich das Kronendach nicht schliesst...

#5 RE: Versuchsgebiet im Wald? von florian 6b 20.01.2020 07:04

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Ich würde auch eher auf Arten gehen wie Liriodendron, Magnolia acuminata, Metasequoia, pinus ponderosa, Küstenmammutbaum...
Und wie Aramis sagt: Nur weil einem Wald gehört darf man vermutlich nicht pflanzen was man will - ich würde da auch eher "versteckt" und unauffällig pflanzen und lieber NICHT bei einer offiziellen Stelle wie Landratsamt etc. erkundigen. Die sagen Dir dann vermutlich schnell, dass Du nur heimische Bäume pflanzen darfst...
Grüße Florian

#6 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Micharudi 20.01.2020 13:51

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Hallo zusammen,

ich muß Florian beipflichten und kann das Risiko bestätigen: Meine zwei Pinien (siehe Profil) standen in einem "Privatwald" in der Nähe des Mains - und das Landratsamt hatte das irgendwann mitbekommen und dann dem Eigentümer eine Frist gesetzt, um die beiden Pinien zu entfernen. Grund war die "nicht einheimische Art". Zum Glück standen die Bäume noch nicht lange und waren in Kompost gepflanzt, so dass beide Bäume ohne Ausfallerscheinungen direkt bei mir angegangen sind.

Fremde Arten auf seinem Privatgrundstück "quasi im Ziergarten" kann Dir aber m. E. keiner verbieten.

LG

#7 RE: Versuchsgebiet im Wald? von PierreBB 20.01.2020 14:20

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Diese übertriebene Bürokratie in Deutschland ist echt zum k..... mal ganz davon abgesehen das die Behörden teilweise mit ihren Ansichten von einheimisch und nicht in der Steinzeit leben und sich vor Veränderungen verschließen.

#8 RE: Versuchsgebiet im Wald? von florian 6b 20.01.2020 14:23

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Zitat von Micharudi im Beitrag #6
Hallo zusammen,

ich muß Florian beipflichten und kann das Risiko bestätigen: Meine zwei Pinien (siehe Profil) standen in einem "Privatwald" in der Nähe des Mains - und das Landratsamt hatte das irgendwann mitbekommen und dann dem Eigentümer eine Frist gesetzt, um die beiden Pinien zu entfernen. Grund war die "nicht einheimische Art" ...


So was finde ich lächerlich - man hat es aber nicht in der Hand. Weder pflanzt man ja Springkraut, noch Staudenknöterich an. Aber so viel Fachkenntnis über heimische oder nicht heimische Kiefern hätte ich gar keiner Behörde zugetraut. Außer dort war das Etikett noch dran ?
Grüße Florian

#9 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Micharudi 20.01.2020 14:47

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Das Problem war, dass Pinien vielen Leuten anscheinend schon bekannt sind, und fatalerweise liegt hinter diesem Privatwald ein gut frequentierter Fahrradweg... ich vermute, der Eigentümer wurde halt von irgendwelchen Bedenkenträgern angeschwärzt....
Aber nun gut, das war ja, abgesehen von der Buddelei, ein finanzieller Vorteil für mich...

#10 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Stephan_M 20.01.2020 16:20

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Da würde mich dann aber schon genauer interessieren, auf welcher Rechtsgrundlage die Behörden da gehandelt haben:

Zwar stellt § 40 Abs. 1 Satz 1 BNatSchG das Ausbringen gebietsfremder Pflanzen unter einen Genehmigungvorbehalt. Allerdings gilt das Genehmigungserfordernis gem. § 40 Abs. 1 Satz 4 Ziff. 1 BNatSchG ausdrücklich nicht für den Anbau von Pflanzen in der Forstwirtschaft.

§ 40 Bundesnaturschutzgesetz

Insoweit müsste man sich das mal genauer anschauen, möglicherweise war ja ein Schutzgebiet betroffen?

Grüße

Stephan

#11 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Aramis 20.01.2020 16:42

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Naja, also ganz ehrlich hat man als Waldbesitzer oder Landwirt schon eine Verpflichtung für das Landschaftsbild. Schliesslich bekommt man das Land ja auch sehr billig. Damit verbunden ist die Landschaft halt auch ein öffentliches Gut; in Italien hat man sowas nicht und deshalb kann man dort oft kaum in Wälder spazieren...
Desweiteren pflanzt halt der erste nicht einheimisches Gehölze, der nächste Neophyten und der letzte stellt noch seinen Wohnwagen ab, pflastert eine Terrasse und baut einen Teich...

#12 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Stephan_M 20.01.2020 17:28

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Naja, da sollte man die Kirche schon im Dorf lassen. Es gibt ja eine große Vielfalt von fremdländischen Baumarten in heimischen Wald- und Forstgebieten. Douglasie, Küstentanne, Sitkafichte, Rotesche, Kanadapappel, Roteiche, Edelkastanie, Robinie usw. usf. Da gibt es auch immer mal wieder Streit zwischen den Förstern und den Naturschützern. Aber vor diesem Hintergrund erscheint mir ein Streit um zwei Pinien im Wald dann ganz unabhängig von eventuellen Genehmigungsfragen, Wohnwagen, Terrassen und Teichbauten doch reichlich überzogen zu sein...

#13 RE: Versuchsgebiet im Wald? von Micharudi 20.01.2020 17:55

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Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es ein Naturschutzgebiet war, aber dicht am Main wäre das m. E. schon gut möglich.

#14 RE: Versuchsgebiet im Wald? von florian 6b 20.01.2020 18:42

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Um auf die ursprüngliche Anfangsfrage zurück zu kommen: @contendere ich würde das Projekt halt etwas "im hinteren Bereich" des Waldstücks machen wo nicht gerade jeder Wanderer vorbei kommt oder gar ein Radweg vorbei führt. Am Tag der offenen Gartentür solltest Du auch nicht gerade Teilnehmen
Das "Einbringen" gebietsfremder Gehölze sieht unser Landratsamt auch nicht gern - selbst außerhalb jeglicher Schutzgebiete - wo kein Kläger da kein Richter...
Grüße Florian

#15 RE: Versuchsgebiet im Wald? von MarcTHR 20.01.2020 20:01

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Ich hatte vor gut 10 Jahren auch einmal eine Diskussion mit Vertretern der "Unteren Wasserbehörde", die bei einer Begehung zum Verlauf eines mittelgroßen Fließgewässers, dass an das elterliche Grundstück grenzt, ihren Unmut zur Bepflanzung der hochwasserschützenden Böschung äußerten.

Pterocarya, Metasequoia, Nyssa, Gleditsia, Liquidambar, Aesculus flava neben Einheimischen wurden angekreidet. Ich konnte dann aber dagegen argumentieren, denn nur 500m flussaufwärts wurden auf öffentlichem Grund der Gemeinde Jahre vorher auch viele "Fremde" gepflanzt wie Euodia/Tetradium, Sitkafichten, Amerikanische Weißesche, Balsampappel, Späte Traubenkirsche, Calocedrus usw.. Bisher hat sich niemand über den Bestand mehr geäußert.

In Portugal gibt es das Verbot Acacia dealbata und Albizzia (Paraserianthes) lophantha anzupflanzen mit dem Auftrag vorhandene zu erradizieren.

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