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#1 Totgeglaubte leben länger von KleinerSkink 14.11.2017 17:28

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Heyho,

wollte mal einen neuen Thread starten. Habe letzte Woche ein wenig Komposterde benötigt und dafür den älteren Komposthaufen ein wenig öffnen müssen, da die obere Schicht noch nicht ganz abgebaut war.
Was soll ich sagen, der Kompsthaufen ist vor 3 Jahren in Betrieb gegangen und wurde anschließend bis zum letzten Jahr im Frühjahr genutzt. Beim Wühlen stieß ich dann plötzlich auf ein gefiertes Blatt, welches ich zunächst einer Chrysalidocarpus lutescens zuschrieb, die im Wohnzimmer meiner Eltern steht. Heute habe ich dann mal nachgefragt, ob diese überhaupt in Frage komme, was mein Vater energisch verneinte, er entsorge nur die abgestorbenen Wedel.
Also habe ich mich über eine Stunde lange heute durch den Kompost gewühlt, um herauszufinden, was das denn nun sein könne. Kurz vor der absoluten Kapitulation fiel mir dann ein, dass mein Vater mal eine Phoenix dactylifera (welche auch immer es wirklich war, er hatte sie jedenfalls Ende der 70er aus Ägypten mitgebracht und diese wächst meist verzweigt) bessen hatte, die aber nicht mehr zu retten gewesen sei... nach weiterem Nachbohren wurde ich dann aufgeklärt, dass diese auf dem Kompost entsorgt worden sei. Ein wenig sauer grub ich nun weiter und fand schließlich den alten Stamm der Palme, komplett Matsche... aber seitlich waren zig kleine kleine, meist tote Verzweigungen, eine jedoch war noch sehr vital, ich hatte ihr allerdings das größte Blatt abgestochen und einer weiteren alle Blätter, die Wurzeln waren aber noch intakt (ich habe in meinem Frust und in der Kälte keine Bilder mehr gemacht). Da der Pflanze der vermodernde Boden so gut zu bekommen scheint, entschloss ich mich dazu, direkt die umliegende Erde zu nutzen.

Erstaunlich, wie lange eine Palme gänzlich ohne Licht auskommt, Frost wird sie sicherlich keinen abbekommen haben... gut von den Datteln von Phoenix dactylifera, die 1967 bei Ausgrabungen gefunden und etwa 2000 Jahre alt geschätzt wurden, konnte 2005 eine zum Keimen gebracht werden, scheinen ja unglaublich robust zu sein...

Bin mal gespannt, ob sie uns nun für immer verlässt oder doch wieder eine, bzw. zwei schöne Palme(n) werden will...


Das ist die schönere von beiden und wenn mir nun wer sagen möchte, dass das hoffnungslos sei, dem sei gesagt: Wer drei Jahre ohne Licht in einem Kompost wohnt, der schafft das auch noch!

P.S.: Einen gekeimten Avocadokern habe ich beim Graben auch noch gefunden, vielleicht durchgrabe ich jetzt häufiger Komposthaufen

#2 RE: Totgeglaubte leben länger von pheno 14.11.2017 17:35

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Hey,

echt spannende Geschichte!
Bin mal gespannt ob sich die Dattelpalme tatsächlich hält.

LG Carsten

#3 RE: Totgeglaubte leben länger von choppe19 14.11.2017 21:31

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Du bist aber hartnäckig! Ich bin gespannt, was aus dem Teil wird...

#4 RE: Totgeglaubte leben länger von cranberry72 14.11.2017 23:51

Super Geschichte! Wünsche dir viel Erfolg und Glück! die wird es bestimmt schaffen, Phoenix sind eh so regenerierwunder.

Übrigens, ich habe ähnliche Erfahrungen bei meinem Gartenabfall gemacht. Habe frecherweise öfter meine Gartenabfälle , also auch totgeglaubte Pflanzen, auf einem verwilderten Nachbargrundstück entsorgt (vermeintliche Erben vor Jahrzehnten nach Australien ausgewandert). Da wachsen jetzt wie durch ein Wunder 2 Agaven, 2 Pfirsichbäume, etliche Schwertlilien und Trachy-sämlinge und eine totgeglaubte Phoenix. Ab und zu Mal spritze ich im Sommer mit dem Wasserschlauch rüber und im September werden die Pfirsiche geerntet 😁

So ein Komposthaufen entwickelt ganz schön Wärme, ein kostenloses Treibhaus 😎 vielleicht sollte ich meine Brahea Samen auch Mal dort entsorgen 🤔

LG cranberry72

#5 RE: Totgeglaubte leben länger von KleinerSkink 15.11.2017 15:12

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Also hier im ländlichen Münsterland sieht man im Winter immer die Misthaufen qualmen... dabei heißt es doch in dem Lied "Wo die Misthaufen qualmen, da gibt's keine Palmen"?

#6 RE: Totgeglaubte leben länger von Dieter 15.11.2017 15:31

hallo,
ich hatte im letzten Herbst 2 Musa basjoos auf dem Kompost entsorgt da sie mir "kaputt" erschienen.
Im Frühjahr, als ich ein wenig Komposterde benötigte, was sah ich da?
2 frische Bananen aus dem Kompost gucken.
An die Dinger hatte ich doch nun gar nicht mehr gedacht.
Mittlerweile hatte ich allerdings eine gut 30 cm dicke Abfallschicht angehäuft......
Gut - die beiden Basjoos sind in diesem Sommer nicht mehr groß gewachsen - sehen aber sehr gesund und munter aus.
Diesmal werde ich sie "korrekt" überwintern.

LG
Dieter

#7 RE: Totgeglaubte leben länger von Olli 15.11.2017 20:49

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Hallo,

ähnliche Berichte über totgeglaubte Palmen, die im Jahr später aus dem Kompost herauswuchsen haben mich letztlich zu den Laubschutzexperimenten mit Phoenix C. gebracht. Die Methode ist sicher noch ausbaufähig, aber die Überlebensfähigkeit unter kompostierenden Gartenabfällen ist schon bemerkenswert.

Wer es an anderer Stelle noch nicht gesehen hat:
Phoenix nach der Entfernung des Laubhaufens im Frühjahr...


...und am Ende des Sommers...



Grüße

Olli

#8 RE: Totgeglaubte leben länger von KleinerSkink 15.11.2017 23:04

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Also besser kann sie doch beinahe nicht aussehen... ab einer gewissen Höhe müsste man dann aber wohl alle Fieder entfernen, bis es schließlich nicht mehr händelbar ist, aber so lange es geht, scheint mir diese Methode als perfekt

#9 RE: Totgeglaubte leben länger von Olli 16.11.2017 21:33

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Hallo KleinerSkink.

danke. "Perfekt" - nun ja...
Aber z.B. für @florian 6b könnte es interessant für sein zweites, stromloses Grundstück sein: Eine günstige Phoenix C. im Frühjahr auspflanzen und dann im Herbst mit einem möglichst großen Laubhaufen (+ evtl. Schneeisolierung etc.) schützen. Ich denke das wäre auch dort nicht chancenlos.

Der allergrößte Teil der Wedel war bislang ohnehin immer hinüber. Solange man den Stumpf durchbekommt scheint es zu gehen. Denn im Gegensatz zu anderen Methoden haben Wurzeln und Wachstumszentrum es wohl bislang immer "mollig" warm gehabt.
Ein größerer Laubhaufen, ein Standort vor einer Südwand und Weinanbauklima statt des hiesigen Schmuddelwetters - dann hätte die Methode nochmal mehr Potential

Eine "gut" geschützte Phoenix sieht im Frühjahr natürlich ganz anders aus. Aber ich wollte neben den zwei Vollschutzphoenix einfach ausprobieren, ob das mit dem Laub überhaupt funtionieren kann.
Außerdem hat nicht jeder Lust, Geld und das handwerkliche Geschick, um für eine 2 € Phoenix einen 100 € Vollschutz (ohne Elektrik) zu bauen, zu überwachen, abzubauen, zu lagern und anzupassen. Und die Stromversorgung ist eben auch nicht überall gegeben.
Außerdem sind die Vollschutzbauten vom Material her nicht gerade umweltfreundlich und Pannen wurden in den Foren auch immer wieder beschrieben.

Also für experimentierfreudige Palmenfreaks als Ergänzung durchaus mal einen Versuch wert. Vielleicht lässt sich die eingangs dieses Themas beschriebene wundersame Überlebensfähigkeit mancher Palmen ja noch besser nutzen und optimieren.

Grüße

Olli

#10 RE: Totgeglaubte leben länger von florian 6b 17.11.2017 05:52

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Hallo Olli,
die Frage bei mir ist nur, ob ich es dann wirklich mit einer Phoenix ausprobiere und nicht mit einer Trachy. Solarmodul wäre natürlich auch möglich - ist mir aber im Moment wirklich zu kostspielig.
Mal sehen - früher oder später ....
Gruß Florian

#11 RE: Totgeglaubte leben länger von KleinerSkink 17.11.2017 08:44

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Ob das bei Trachys geht, müsste man dann ausprobieren, schützt die hier wer so?

#12 RE: Totgeglaubte leben länger von Olli 17.11.2017 10:19

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Hi,

die Fasern um den Stamm würden wahrscheinlich schnell mit verrotten. Ansonsten ist die Trachy ja recht nässetolerant und zudem deutlich frostresistenter als Phoenix. Insofern gehört sie sicherlich tendentiell zu den Arten, die mit einem Laubschutz zurecht kommen könnten.
Nachteil der Trachy wäre für die Schutzmethode das deutlich schnellere Höhenwachstum des Stammes gegenüber Phoenix.

Grüße

Olli

#13 RE: Totgeglaubte leben länger von Felix 17.11.2017 11:05

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Moin,

so genial ich das Projekt mit Ollis Laubhaufen-Phoenix finde, würde ich in Florians Szenario mit der Trachy eher auf eine Variante mit Styropor-Isolierung plus Wasser als Wärmespeicher setzen. Das angesprochene Höhenwachstum versus dem knuffigen “Ananas“-Stamm bei der Phoenix sehe ich auch als Problem.

Ich könnte mir folgendes vorstellen: dickwandiger Styroporturm, nach bewährtem allgäuer Rezept zur Rakete gebundene Trachy darin und in den Turm ein paar große Wasserbeutel mit reinstecken.
Das Styropor ist natürlich nicht so schön bio wie das Laub, aber mei, dafür binden grüne Exoten auch im Winter CO2.... für's Gewissen.
Aber es braucht halt leider Lagerplatz. :-/

Übrigens sehr cooles Projekt mit der Reanimation der Phoenix dacty!

Felix

#14 RE: Totgeglaubte leben länger von Olli 17.11.2017 11:18

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Hallo Felix,

im Allgäuer Winter müssten der Wasserpuffer wohl recht häufig wieder "verflüssigt" werden?!
Da könnte ich mir schon eher einen größeren isolierten Laubhaufen/-säule vorstellen, wo Styrodur, Lupofolie und/oder Schnee vor dem Durchziehen eisiger Winde schützen und die Verrottungswärme im Schutz halten.

Grüße

Olli

#15 RE: Totgeglaubte leben länger von florian 6b 17.11.2017 11:33

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... vielen Dank, dass Ihr Euch Gedanken macht :-) Ich werde das eh mal nächstes Frühjahr mit 3-jährigen Sämlingen aus Südtiroler "Gaugummiautomaten-Samenspendern" versuchen. Da ist das schützen noch kein so ein Problem am Anfang.
Felix` Wassermethode habe ich heuer bei einer nicht gut ausgereiften Magnolia macrophylla angewandt, die in ihren Schutz solche Beutel bekommen hat, um die ersten Fröste abzuwehren und sie noch Zeit hat, besser "auszureifen" - so meine Theorie. Ich werde im April ja sehen ... im Garten waren es diese Woche ja schon - 8,7°.
Grüße Florian

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