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#46 RE: "winterharte" essbare citrus von Marcel 30.05.2017 11:31

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Kurzzeitige Nachtfröste bis -4 Grad sollten eigentlich gut gehen für den Frühlingsaustrieb. Was aber im Sommer/Herbst noch ausgetrieben hat, friert meistens etwas zurück.

Es kommt auf den Standort an, aber ich würde trockenes Baumnusslaub und zb einen grossen Kübel nehmen, den du darüber stülbst. Ich denke das sollte reichen bei Nachttemperaturen von bis -10 und eventuel leichten Dauerfrost ohne zusätzlichem Heizkabel.

#47 RE: "winterharte" essbare citrus von Stephan_M 30.05.2017 14:58

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Hallo @Marcel ,

vielen Dank für Deine Hilfe. Obwohl ich schon eine Menge bei Tante Google gesucht habe, bin ich bei vielen praktischen Fragen bislang noch nicht so richtig fündig geworden. Gibt es da eigentlich keine "Spezialforum"?

Deshalb möchte ich noch ein wenig nachhaken, zunächst meine "Randfaktoren":

Meine 3 "Babies" stehen geschützt von einer Garagenwand in Südlage. Auch Niederschlag gibt es da weniger, da auch der Westbereich durch eine Scheune, Bäume und eine Gabione geschützt wird. Und Nordwest ist hier die Hauptwindrichtung...

Das Substrat habe ich mit Lava-Granulat abgemagert. Klimazone 7b, relativ ausgeglichenes Klima a.G. der Nähe zur Ostsee. In geschützter Südlage sollen die Citri hier bei mir vor allem von der - für deutsche Verhältnisse - recht hohen Anzahl Sonnenstunden (über 1.700 Stunden / Jahr) profitieren. Dann wird es direkt am Trockenbeet und vor der nach Süden ausgerichteten Wand auch hier richtig heiß!

Mein Plan für den Winter war bislang der Folgende:

Ich wollte - soweit das im Freien möglich ist - eine Orangerie simulieren. Wurzelbereich mit trockenem Laub und / oder Stroh abdecken. Darüber und über die Pflanzen mit Holzlatten ein "Anlehngewächshaus" bauen. Mit guter Lupo "beschlagen", im Bodenbereich bereits Heizkabel verlegen, die Ostseite - außer bei Frost - offen lassen. Damit hätte ich dann im Winter einen trockenen, etwas abgedunkelten und halbwegs gleichmäßig klimatisierten Bereich geschaffen.

Wenn das mit trockenem Laub und Maurerkübel einfacher geht, wäre das natürlich eine Alternative...

Bislang bin ich davon ausgegangen, dass Citri im Winter immer ein wenig Licht brauchen, damit die Blätter möglichst erhalten bleiben. Das würde bedeuten, in frostfreien Phasen Kübel runter und Lüften? Laub einsammeln und vor Durchfeuchtung schützen? Wie lange darf so eine "Dunkelhaft" bei Citri maximal dauern?

Dann bin ich davon ausgegangen, dass Citri ja recht zickig auf Sonneneinstrahlung und kalten / feuchten Boden reagieren sollen. Und damit hätte ich es hier garantiert zu tun. Sollte ich in diesen Phasen und bei "Kübel ab" dann bis in das Frühjahr nicht lieber zusätzlich ein wenig verschatten, damit die Photosynthese nicht angeregt wird? Wäre auch Aufwand.

Sorry Freunde. Und besonders @Marcel . Bin Anfänger in diesem Bereich!

Danke für Eure Hilfe!

Stephan

#48 RE: "winterharte" essbare citrus von Marcel 30.05.2017 15:51

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Ja dann hast du da ja ein super Standort bei dir.

Du hast recht, das mit dem Laub und Kübel funktionirt gut für kleine Palmen, Baumfarne oder ähnliches, für Citrus eher kurzfristig. Da meine im ersten Winter schon meist grösser sind, mache ich es folgender Massen:

Ich stecke ein Gitter mit einem Durchmesser von etwa 50cm um das Bäumchen, fülle etwa 30cm Laub auf und wickle das Gitter und die ganze Pflanze mit mehreren Schichten Vlies ein.
Wenn sie nur leicht an einem dem Regen ausgesetzten Ort steht braucht es auch kein zusätzlicher Regenschutz.

Sonneneinstrahlung im Winter ist eigentlich gar kein Problem, die haben sie ja an ihren Naturstandorten auch. Nur Dauerfrost kann gefährlich werden. Dann ist das einbinden mit Vlies eine gute Lösung. Da kommt auch noch genug Licht durch und ist auch für mehrere Monate kein Problem.
Vorsicht ist geboten wenn der Nachtfrost unter -10 geht für grössere Pflanzen und unter -5 bei deinen kleinen. Dann brauchst du wahrscheinlich noch zusätzlich ein Heizkabel oder wenn nur kurzfristig ein Fass, Kübel oder ähnliches.

Dies sind so meine Erfahrungen und beziehen sich auf Citrus, die mit bis -12 Grad angeschrieben werden.

#49 RE: "winterharte" essbare citrus von Flo 30.05.2017 17:23

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Hallo Stephan
Noch anzufügen ist, dass meine ichangensis x sinensis vermutlich vor allem den Dauerfrost nicht mochte. Sie sah mehrmals bis zu -10 Grad und man merkte ihr nichts an. Als dann die Temperaturen nicht mehr über 0 gingen (so um den 17. Januar hier), fing sie allmählich an, ihre Blätter zu rollen. Erst da habe ich sie gschützt, doch da war es wahrscheinlich schon zu spät.
Glücklicherweise ist sie ja aber sehr regenerationsfreudig.
LG Flo

#50 RE: "winterharte" essbare citrus von Flo 31.05.2017 13:10

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Kleines Update: die Blüte öffnet sich:


Allgemein kommt die Pflanze sehr stark zurück, worüber ich ziemlich froh bin!

LG Flo

#51 RE: "winterharte" essbare citrus von greenthumb 18.06.2017 07:39

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Ich hole das Thema mal etwas nach oben.

Gestern gab es eine kleine Besichtigungs- und Shoppingtour bei Herrn Meeder und seinem 1700 m² Zitrus- und Bambusgarten.
Sehr sympatisch und persönlich mit sehr viel Zeit, gabs dann wie gewohnt nachher das Durchirren der Laufwege zwischen dem Bambus auf der Suche nach der Zitrusbeute, die da in Kübeln überall stehen.

Auch er hatte im April noch einen auf die Mütze bekommen mit -7 Grad, was ihn Blattaustriebe und Blüten gekostet hat.
Hatten viele von uns ja auch. Bei mir waren es aber nur -2/3 Grad, hat aber gereicht für Kakis, Feigen, Kamelien, etc.

Als Beute ist es geworden bei mir (auch mangels Platz im Auto für größere Exemplare)

nicht besonders frosthart:

- Sanguinello Blutorange (vieljähriges Bäumchen mit Stamm und viel Neuaustrieb nach etwas Winterschaden)
- Blutorange panaschiert (2 Jahre)
- Citrus meyerii auf ichangensis veredelt (2 Jahre)
- Citrus meyerii panaschiert (2 Jahre)

frostharter Citrus:

- Poncirus x changa Citrandarin (2-3 Jahre)
- Thomsville Citrangequat (3-4 Jahre)
- Thomasville C. (1 Jahr, mein Backup)
- Citromelo Swingle (2-3 Jahre)
- Citramelo (2-3 Jahre, eingekreuzte Citrange ist leider unbekannt)

Interessant war auch der Unterschied zwischen Yuzu und Yuzu Strada Montana.
Strada Montana hat richtig große Blätter auch gedoppelt wie Ichangensis. Sehr sehenswert und völlig anders.
Leider konnte Herr Meeder nichts zu Frucht oder Frosthärte sagen, weil er sie alle bei sich gleich im Kalthaus überwintert.
Aber optisch wäre das noch mal eine Bereicherung was die unterschiedlichen und sehr großen Blätter angeht.

So, das zum Inhalt , Bilder von den gekauften Pflanzen kommen noch.
Viele Grüße

Andreas

#52 RE: "winterharte" essbare citrus von Mikkel 18.06.2017 13:41

Hallo Andreas,

an Bildern von der Strada Montana und der Poncirus x changsha Citrandarin wäre ich sehr interessiert. Wenn Du hast die Blätter der Poncirus x changsha Citrandarin in Großaufnahme :)
Klingt echt toll, vielleicht hast Du auch ein paar Bilder vom Garten?

Danke!

Mikkel

#53 RE: "winterharte" essbare citrus von Flo 18.06.2017 22:18

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Die Yuzu Strada Montana finde ich auch sehr spannend.
Mikkel, hier mal meine Nr. 174 von Eisenhut:



Sie hat vorwiegend trifoliate Blätter, aber auch einige monofoliate und ein paar deformierte.


Interessant ist, dass bei vielen Blättern das mittlere Blättchen stark verlängert ist:


Ich habe mir diese Pflanze bestellt, weil sie bei Eisenhut schon geblüht hat. Die Frucht ist wohl nicht besonders gut. Laut Beschreibung sauer und bitter. Für Konfitüre könnte sie aber taugen, was für mich schon ein kleiner Erfolg wäre (ich finde auch Poncirusmarmelade nicht so schlecht).

Was meinst du zu der?
LG Flo

#54 RE: "winterharte" essbare citrus von dintel 20.06.2017 16:04

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Hallo,
bei Herrn Meeder hat es mir sehr gut gefallen, aus ihm sprudeln die Tips nur so heraus. Ich finde es auch sehr beeindruckend das er alle Unterlagen aus eigenen Samen zieht. Erstaunlich auch wie gut alle Pflanzen den harten Spätfrost weggesteckt haben. Es mich sehr gefreut Andreas, Heinz und Torsten mal persönlich kennenzulernen. Meine Zitrone (blauer Pfeil) habe ich schon seit über 20 Jahren, wegen dem zunehmenden Gewicht war ich etwas von der Kübelhaltung abgekommen. Ich war ziemlich überrascht wie klein die Kübel bei Herrn Meeder waren. Hier mal ein Bild von meinen Neuerwerbungen.
Ich habe mich weniger für 'winterharte' sondern mehr für die 'kulinarische Vielfalt' entschieden also Mandarine, Kreuzung Orange-Zitrone, Kreuzung Grapefruit-Blutorange und eine Orange dazu gab es noch den passenden Dünger.

Gruß Reiner

#55 RE: "winterharte" essbare citrus von Stephan_M 20.06.2017 21:00

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Super Pflanzen @dintel !

Auch mein zweiter, neu gepflanzter Zitrus-Zwerg (Yuzu) hat nach der Pflanzung sogleich Blüten angesetzt. Das wird aller Voraussicht nach nichts, da der Wurzelballen noch zu klein sein dürfte, um richtige Früchte zu ernähren. Aber immerhin, über Blüten freut man sich ja schon mal! Zumal wir hier ein recht kühles Frühjahr mit ausreichend Niederschlägen hatten.





Grüße

Stephan

#56 RE: "winterharte" essbare citrus von greenthumb 22.06.2017 12:59

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Ein Tag frei und draußen ist es zum Braten heiß, also im Keller ist es kühl und man kann was an den Bildern machen.

Der Besuch bei Herrn Meeder war wirklich klasse, Wetter trocken, nicht zu heiß und der Garten wie gewohnt, dschungelig und super zum Durchstreifen nach den 100en Zitrussen die da überall rumstehen entlang der Bambustrampelpfade.
Sehr schöner Ausflug und immer wieder schön, wenn man sich da mal persönlich kennenlernt wie jetzt mit dem sehr sympatischen Dintel (Reiner). Mit Heinz machen wir so eine Tour ja auch noch zur Wupperstraße nach Leverkusen. Das ist schon Tradition mittlerweile. :-)
Torsten (Hartmann) kam noch mit Frau vorbei und stöberte (ließ sich aber nicht auf einen zitruskauf ein) und so hatten wir immer viel zu erzählen miteinander.

Herr Meeder hatte sich alle Zeit genommen und so fing alles mit einem Rundgang und Stöbern durch seine gewächshäuser an. Bewaffnet mit Listen mit Codes der ganzen Zitrusse wurde ein Überblick verschafft, der dann aber mangels vorhander Pflanzenmasse immer wieder verschwamm. Irgendwann konzentriert man sich auf drei Arten die man sucht. Es gibt ja auch immer "Beifang".

Dann gibts irgendwann die konkretere Schatzsuche, die immerwährende Frage, ob man diesen großen Zitrus ins Auto bekommt und das ist ist dann wie ein Endspurt, bevor man sich auf die Terrasse sitzt und Frau Meeder mit kalten getränken kam.
Gefachsimpelt und gelacht, war es eine schöne Stimmung und ein großer Dank an die Meeders.

Im nächsten Jahr wieder! Zumal er schon schaut, wie lange er das noch (zumindest in dem Umfang) machen kann.


Hier mal meine Ausbeute:

Citromelo Swingle




panaschierte C. meyerii (einer der Beifänge, wußte gar nicht, dass es die auch panaschiert gibt)




Citrangequat Thomasville




C. meyerii (veredelt auf ichangensis)




panaschierte Blutorange (ein anderer Beifang)




Poncirus x changha Citrandarin



hier die Blätter für Mikkel (meist trifoliat, aber auch bi und mono vorhanden)




hier eine CitrAmelo (was aber an Citrange reingekreutz wurde, ist Herrn Meeder nicht bekannt, eine Baum mit kleinen Früchten zeigte, etwas platte, teilweise leicht gefurchte Fruchtform)



Hier dann doch eine größere Mitnahme:

Vollblutorange (er hat Halb- und Vollblutorangen der Art) Sanguinello, sehr gut gewurzelt (mein Ersatz für eine Washington Navel die ich eigentlich mitnehmen wollte, er aber nicht hat)




Mein Thomasville Backup....





Fotos vom Garten Meeder habe ich nicht gemacht. Ich habe ein Video damals beim ersten Besuch gemacht, weil mich das umgehauen hat. Das ist aber zu groß zum einstellen.
Ich kann nur empfehlen, mal einen Besuch mit ihm abzusprechen, solange man noch die Möglichkeit hat.

Bilder der Strada Montana habe ich nicht gemacht, jedoch wird das ziemlich sicher eine sein, die ich als nächstes mitnehme. Die großen Blätter mit der Frosthärte einer Ichangensis...sehr klasse, selbst wenn sie nicht nutzbar sein sollte.
Ob sie aber so frosthart ist wie eine ichangensis konnte Herr Meeder nicht sagen. Also muss man testen.

Viele Grüße


Andreas

#57 RE: "winterharte" essbare citrus von dintel 23.06.2017 14:49

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Hallo,
ich habe noch ein Bild mit dem Handy gemacht.Das ist jetzt nicht so doll. Ich denke mal Herr Meeder hat sicher nichts dagegen:

Der Ort ist etwas höhergelegen und rundherum ist freies Feld. Mit Bambus und Hecken hat er sich ein windgeschütztes Mikroklima geschaffen.
Man läuft quasi von einem Gartenraum in den anderen und überall stehen Zitruspflanzen.
Gruß Reiner

#58 RE: "winterharte" essbare citrus von Mikkel 27.06.2017 23:46


[/quote]

Woher kommt dieses Blattrollen? Das habe ich bei einer Mandarine dieses Jahr auch. Auch der wachsartige Glanz ist ähnlich. Hab es bisher auf ein Behandlung mit Paclobutrazol geschoben...

#59 RE: "winterharte" essbare citrus von Flo 03.07.2017 20:30

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Meine Citsuma Prag blüht das erste Mal und interessanterweise weisen die Blüten kein Stigma auf (jedenfalls erkenne ich keins).


Die ichangensis kommt auch gut voran.

LG Flo

#60 RE: "winterharte" essbare citrus von Mikkel 03.07.2017 20:54

Blüten ohne Stigma (Stempel?) habe ich auch schon öfters beobachtet, besonders bei Erstblühern, da hilft nur aufs nächste Jahr freuen.
Deine Ichang papeda ist aber schon weit. Hier blühen sie noch.

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